
Am heutigen Protesttag der Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2026 zogen unter dem Motto „Laut auf die Straße für Solidarität und Teilhabe” mehr als 500 Demonstrant:innen vom Hauptbahnhof durch die Bremer Innenstadt zum Marktplatz.
Nach der Begrüßung und dem Verlesen der Auflagen des Ordnungsamtes durch Versammlungsleiter Gerald Wagner (Geschäftsleitung der LAG Selbsthilfe Bremen) sangen die Omas gegen rechts gewohnt kämpferisch “Keiner schiebt uns weg!” In seiner Auftaktansprache rief dann der LAGS-Vorsitzende Jürgen Karbe den Bremer Senat und die Behindertenverbände zum Widerstand gegen die aktuellen Kürzungspläne der Bundesregierung im Umfang von rund 8,5 Milliarden Euro auf. Gezielte Unterstützung bei der individuell zugeschnittenen Teilhabe am Leben von Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen und Lebenssituationen sei damit gefährdet. „Damit wird gegen Menschenrechte verstoßen, die von den Vereinten Nationen vor 20 Jahren für Menschen mit Behinderungen verstärkt werden sollten“, so Karbe.
Dann startete ganz symbolisch um “5 nach Zwölf” (Zitat Gerald Wagner aus der Begrüßung) der Demonstrationszug, begleitet von der Geigerin Esmeralda sowie „Schmetterlingen von StelzenArt“ in Richtung Marktplatz. Moderatorin Christine Sacher, selbst Beschäftigte in einer Werkstatt für Behinderte in Bremerhaven, forderte am Kampagnen-Mikrofon für die Beschäftigten in den Werkstätten zumindest ein Entgelt in Höhe des gesetzlichen Mindestlohnes. Während des Zuges meldeten sich zahlreiche Demonstrant:innen mit ihren Forderungen an einem offenen Mikrofon zu Wort.
Die Abschlusskundgebung eröffnete Bremens Landesbehindertenbeauftragter Arne Frankenstein mit einer Grundsatzrede gegen die aktuellen Kürzungspläne des Bundes. Binta Bah (Lundu e.V.) machte den Anwesenden Mut, sich offen gegen Rassismus, zunehmende Frauenfeindlichkeit und neofaschistische Tendenzen in unserer Gesellschaft zu wehren. Nach zahlreichen weiteren Redebeiträgen von Martina Reicksmann (Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen), Udo Schmidt (SoVD), Vertrer:innen von Ver.di, Selbstvertreter:innen des Autismusspektrums, Werkstatträten und Psychiatrieerfahrenen hielt Dr. Joachim Steinbrück (Vorgänger von Arne Frankenstein und jetzt Vorsitzender von Selbstbestimmt Leben Bremen) ein abschließendes Statement für den Erhalt eines leistungsfähigen und bedarfsgerechten Systems der persönlichen Assistenzdienste und für den Widerstand des Bremer Senats gegen die aktuellen Kürzungspläne der Bundesregierung.
Zwischen den Reden sorgten „Grenzgänger“ Michael Zachcial, Geigerin Esmeralda und die “Omas gegen rechts” immer wieder für musikalischen neuen Schwung vor dem nächsten Redeblock. An einem Info-Stand der Behindertenverbände und beim „Wüstennarrenschiff“ (das Blaue Kamel der Blauen Karawane) gab es viele solidarische Gespräche der zahlreichen Besucherinnen und Besucher des 34. Bremer Protesttages. Mehr als 500 Demonstrierende sind seit rund 10 Jahren wieder mal ein Spitzenwert! Danke, dass ihr alle dabei ward!