Aus Anlass des morgigen Welttages der Menschen mit Behinderungen führte der Arbeitskreis Bremer Protest behinderter Menschen einen Fachtag „Behinderung und Armut“ durch. Nachdem das Bremer Behindertenparlament in seiner 27. Sitzungsperiode in diesem Jahr bereits am Aktionstag 5ter Mai 2022 stattgefunden hatte, standen heute im Stil einer parlamentarischen Anhörung die Auswirkungen steigender Energie-, Heiz- und Lebenshaltungskosten auf die Lebenssituation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Zentrum der Beratungen.

Der Fachtag begann mit der Begrüßung durch Sülmez Dogan, Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft. Nach Grußworten durch Sozialstaatsrat Jan Fries, Bremens Landesbehindertenbeauftragten Arne Frankenstein und LAG Selbsthilfevorsitzenden Jürgen Karbe folgten Schilderungen von Betroffenen. AK-Protest-Aktivistin Bettina Fenzel, die Werkstatträte Ronald Pawlik, Martina Dammaschke, Heiko Blohm, Dominik Meine und Simon Britschke, sowie zahlreiche Teilnehmende schilderten, wo Ihnen im Lebensalltag wegen Geldmangel die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe erschwert oder gar unmöglich gemacht werden.

Nach einer Pause hielt Prof. Dr. Carla Wesselmann von der Hochschule Emden-Leer einen sehr anschaulichen und bewegenden Vortrag über die Entstehung von Armut in einer reichen Gesellschaft. In einer lebhaften und spannenden Diskussion wurden zahlreiche individuelle Lebenserfahrungen, Kritikpunkte, Anregungen und Ideen zur Bekämpfung  und Vermeidung von Armut ausgetauscht.

Nach den Erfahrungsberichten und Analysen stellte Rosemarie Kovac für den AK Protest eine Beschlussvorlage vor, in der einige konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der finanziellen und sozialen Lage behinderter Menschen an die Bremische Bürgerschaft und den Bremer Senat gerichtet werden. Keine Zwangsräumungen, keine Energiesperren, die Einrichtung eines Bremer Notfallfonds, die Erhöhung des neuen und nur unzureichenden Bürgergelds, eine Erhöhung des Wohngeldes, die Entlastung aller Wohnformen im Behindertenbereich von zu hohen Energiekosten und noch einige Punkte mehr werden in der Resolution gefordert. Kein Mensch darf mit den Folgen der Inflation und der Preissteigerungen allein gelassen werden. Ein gutes Leben für alle Menschen kann nur gemeinsam und solidarisch durchgesetzt werden.

Moderator Florian Grams und alle Organisator:innen bedankten sich wieder herzlich bei der Bremischen Bürgerschaft für die Gastfreundschaft und die große Unterstützung und bei allen Gästen, Redner:innen und Teilnehmenden  für Ihre engagierten und konstruktiven Beiträge! Das Aktionsbündnis behinderter Menschen im AK Bremer Protest wird die Resolution anhand aller Hinweise überarbeiten und an die Fraktionen in der Bremischen Bürgerschaft und die Senatorin für Soziales senden. In der Folge werden wir mit weiteren Aktionen und im gewohnt konstruktiven Dialog mit Politik und Verwaltung daran Arbeit, dass aus diesen Forderungen konkrete Verbesserungen folgen.